Malberg

Malberg - Wahrzeichen Moschheims

Name, Geschichte, Sagen und Legenden

Der Malberg, der sich mit 86 ha 422 m über dem Meeresspiegel über die Orte Moschheim, Ötzingen und Leuterod erhebt, ist sowohl Raum für reale Geschichte von der Steinzeit bis heute wie auch für zahlreiche Geschichten und Legenden.
Vieles historische, was um und auf diesem Berg im Laufe der Zeit passierte ist wahr, anderes muss im Kontext mit Funden oder schriftlichen Quellen aus den verschiedenen Epochen als unwahrscheinlich bezeichnet werden oder zumindest einer genauen Prüfung unterzogen werden.
Fest steht aber auch, dass der Malberg durch die Zeit Zeuge vieler Veränderungen in der Geschichte der Völker war und man ihn in diesem Zusammenhang getrost als Schlüsselstellung größeren räumlichen Ausmaßes bezeichnen kann.

Doch zunächst zur Namensgebung des Malberges oder Mullmerich, wie er im Volksmund genannt wird. Es gibt drei Ansatzpunkte, wie der Berg zu seinem Namen gekommen ist.
Der erste Versuch einer Namensgebung ergibt sich aus der Annahme, dass der Malberg Ort gerichtlicher Zusammenkünfte gewesen sein soll, die als Ting, Ding oder auch Mal bezeichnet wurden, daher der Name Malberg. Diese These ist jedoch mittlerweile umstritten, da der Ort der Gerichtsbarkeit schriftlichen Quellen zufolge zunächst in Skoenfeld bei Heimbach, später im Humbach (Montabaur) lag, und ein weiterer Gerichtsplatz in dieser Gegend wenig sinnvoll gewesen wäre, worauf im weiteren noch einmal eingegangen wird.

Eine zweite Erklärung kann man auf das Althochdeutsche Wort Mahl volkstümlich Moal zurückführen. Das Bedeutet Versammlung oder Markt.
Auch diese Erklärung ist zweifelhaft, da der Malberg ein sehr unpassender Ort für einen Markt gewesen wäre und die Gegend um den Berg nur sehr spärlich besiedelt war.

Die dritte Erklärung die sich aus dem Wort Moal für Grenzzeichen ergibt, erscheint am wahrscheinlichsten, da der Malberg zu früheren Zeiten als ein weithin sichtbares Zeichen an der Grenze des Engersgauer und des Unterlahngaues lag. Im 16. Jahrhundert als Mailbergh in einem Landesregister erwähnt, hatte und hat er in den umliegenden Dörfern den bekannten Namen Mullmerich. Dieser Name stammt wahrscheinlich von dem Wort mulmig ab, was daher rührt, dass es um den Malberg zahlreiche Geschichten gibt, die den in der Nähe wohnenden Menschen beim Zuhören ein mulmiges Gefühl gaben.


Zur Geschichte des Malbergs:

Erste Bodenfunde stammen bereits aus unbestimmter Vorzeit, die jedoch noch keinen Schluss auf eine Besiedlung zulassen, da es sich auch um Reste von durchziehenden Jägervölkern handeln könnte. Eine gefundene Scherbe aus der Hallsteinzeit ( 800 – 600 v.Chr.) lässt jedoch auf Grund der Fundstelle die Vermutung zu, dass es doch schon Siedlungen vorkeltischen Ursprungs um den Malberg gegeben haben könnte.
Die ersten Orte um den Malberg entstanden, eingeleitet von der keltischen Expansion aus dem Südosten Frankreichs, in der Latène-Zeit (600 -200 v.Chr):
Widheriges mit Stoking (Wüstung), Rotenhain (Wüstung), Ober-, Mittel- und Unterahr, Wenigerfrenz (Wüstung) und Steinefrenz.

Im zweiten Jahrhundert vor Christus vertrieben vermutlich Ubier die Kelten vom Malberg. In dieser Zeit entstand auch der steinerne Ringwall, den die Kelten als Schutz gegen die eindringenden Germanen errichteten. Die besiegten Kelten wurden jedoch nicht vertrieben, sondern durften als Hörige unter den Germanen bleiben, die wiederum von ihnen Handel und Viehzucht übernahmen.

In der Folge drangen Tenkterer und Sigambrer in das Gebiet um den Malberg ein und übernahmen ihn.

Um 100 v. Chr kamen die Römer in das germanische Stammesgebiet. Zur Abwehr gegen sie verstärkten die Germanen den Ringwall und bauten zusätzlich eine weitere Ringmauer.
Die existierenden Quellen widersprechen sich hier, ob der Malberg von den Römern erobert wurde oder nicht. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es zu einer Einnahme nicht kam, da die Eroberung Germaniens durch den im folgenden gebauten Limes von den Römern aufgegeben wurde.

Das Leben normalisierte sich, bis im Jahre 170 n.Chr. Vandalenstämme Germanien überfielen und unterwarfen. Die Ringwälle wurden in der Folge stark beschädigt und verfielen im laufe der Jahre vollständig.

Durch die Vereinigung verschiedener Stämme entstand etwa ca. 2 – 5 Jahrhunderte später ein starker Frankenbund, dem es 280 n. Chr. mit Hilfe der ebenfalls ansässigen Alemannen gelang, die Römer zur Aufgabe des Limes zu zwingen und sie zu vertreiben.

Jetzt begannen die Machtkämpfe unter den ehemals verbündeten Franken und Alemannen, in deren Folge die Alemannen nach Süden vertrieben wurden.

Auch in der Zeit danach war der Malberg jedoch Schauplatz von vielen Verwüstungen durch andere Stämme, die im Zuge der Völkerwanderungen das Gebiet durchzogen, wobei zum wiederholten Male die alte Festung als Fliehburg diente.


Der Malberg: Thingplatz und Opferstätte?

Wie bereits erwähnt wird, der Malberg im Volksmund oft als Thingstätte bezeichnet. Die Thingstätte, die rein fränkischer Natur war, befand sich jedoch nachweislich in Skoenfeld bei Heimbach. In diesem Raum lebten die meisten Menschen des Engersgaues, wohingegen die Bevölkerungsdichte in der Region um den Malberg vergleichsweise gering war. Die schwache Besiedlung spricht also schon prinzipiell gegen die Existenz eines Things, denn für den überwiegenden Teil der Bevölkerung hätte das bedeutet, dass sie zu einem Gerichtstag bis zum Malberg eine zu große Strecke hätten zurücklegen müssen.
Auch zu späteren Zeiten wurde auf dem Malberg kein Gericht abgehalten, da dann der Gerichtsplatz nämlich in Humbach (dem heutigen Montabaur) lag. Auch der Hinrichtungsplatz befand sich dort in der Nähe und zwar auf dem heutigen Himmelfeld.

Dem hingegen gilt die Nutzung des Malberges als Opferstätte als sehr wahrscheinlich.
Jedoch nicht in Fränkischer Zeit um 500 n. Chr. sondern zur Zeit der Kelten, eventuell auch noch in früh germanischer Zeit. Daher ist es unmöglich, den Malberg in späteren Zeiten eine Kultstätte zu nennen.


Legenden und Geschichten um den Malberg

Der Helje Born
Am südöstlichen Hang des Malbergs rinnt seit langer Zeit ein kleiner Quell aus dem Felsen in ein kleines, natürliches Becken. Dieses Wasser wird Helje Born genannt und man schreibt ihm eine heilende Wirkung bei Augenerkrankungen zu.
Die heilende Wirkung könnte in der Tat mit dem tonerdehaltigen Wasser zusammenhängen, das wie essigsaure Tonerde wirkt, d.h. kühlend und wohltuend.
Neben dem Helje Born steht schon seit vielen Jahren ein alter Heiligenstock, in dessen Nähe im Jahre 1892 eine Kapelle zum Dank Gottes errichtet wurde.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges findet zu dieser Kapelle alljährlich zum Himmelfahrtstag eine Prozession statt.
Wildweiberhäuschen: Geschichte und Geschichte
Fast auf der Spitze des Malbergs erheben sich ein paar große Felsen. Zwischen diesen massiven Felsen befindet sich ein Felsspalte, das „Wildweiberhäuschen“, benannt nach den wilden Weibern, die hier der Legende nach als gute Geister wohnten und des nachts den Menschen hilfreich zur Seite standen, ähnlich den Heinzelmännchen. Wie in der Geschichte mit den Heinzelmännchen verschwinden die wilden Weiber, weil ein zu neugieriger Moschheim sie bei ihrer Arbeit beobachtet und ihr Geheimnis damit gelüftet ist. Seitdem müssen die Menschen in Moschheim ihre Arbeit wieder selbst erledigen.
Wahr ist indes, das die Schweden das Gebiet um den Malberg im Dreißigjährigen Krieg verwüstet haben.
Die Bewohner von Niederötzingen flüchteten auf den Malberg in den Spalt des Wildweiberhäuschens, das früher noch wesentlich geräumiger war als heute. Sie wurden aber durch Verrat entdeckt und umgebracht; die Oberötzinger die sich in einem Steinbruch des Breitenberges verborgen hatten, entgingen der Ermordung.

Anmerkung:
Die Forschung um den Malberg liegt auch heute noch eher im Dämmerlicht und es gibt nur wenige, die sich für seine Geschichte interessieren.
Daraus resultiert, dass es trotz eben dieser bewegten Geschichte kaum wissenschaftliche Abhandlungen über den Berg gibt. Auf Grund der mangelnden Forschung und fehlenden Quellen ergibt es sich, dass vieles rund um den Malberg noch im Dunkeln bzw. Hypothese bleibt.
Zu hoffen bleibt, dass irgendwann einmal die Forschung Licht in die Geschichte des Malbergs bringt, der sicherlich noch einiges zu erzählen hätte.


Mario Schneider

Quellen:

Karl Wehrhahn, Sagen aus Hessen und Nassau, 1924
Rhein-Lahn-Freund, 1967
Referat Marion Niet, „Der Malberg“, 1984
Referat Lisa Wilhelmi, „Der Malberg: Eine zentrierende Kartierung“, 2009

 
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